10 Tipps für Eltern beim Sport

Auf was sollte ich achten, wenn mein Kind Sport treibt? Hier sind 10 Tipps für Eltern beim Sport.

Es ist viel schwerer, mit dem Sport als Elternteil am Rand des Wettkampfes umzugehen, als es für den Sportler mitten im Wettkampf ist. Wer früher selbst Sport gemacht hat weiß, wie knapp manche Wettkämpfe sind. Aber erst wer als Elternteil bei knappen Wettkämpfen der eigenen Kinder draußen gestanden hat weiß, wie schwer es plötzlich ist, von dort damit umzugehen. In vielen Situationen müssen wir uns da draußen ganz schön zurücknehmen. Aber wir meinen es ja nur gut. Nur leider ist gut gemeint oft nicht gut gemacht. Deswegen kommen hier 10 Tipps für Eltern beim Sport ihrer Kinder.

1.: Nimm dir Zeit

Sport kostet Zeit. Es stehen Fahrten zum Training an und zu den Wettkämpfen. Hinbringen, abholen, eventuell vor Ort warten. Mach dir das bereits vorher klar und plane das ein. Es ist nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen, aber Sport ist in so vielen Bereichen wichtig für die Kinder. Sport beugt Bluthochdruck und Übergewicht vor, kann das Risiko an Depressionen und Krebs zu erkranken senken, hilft bei der kognitiven Entwicklung der Kinder und unterstützt beim Lernen. Und das sind nur einige der positiven Eigenschaften. Was bedeutet dagegen schon der zeitliche Aufwand auf Elternseite? Natürlich ist es schwierig und manchmal ärgerlich, aber dieses Opfer solltest du unbedingt bringen.

2.: Kein Druck

Dein Kind muss kein Profi werden. Es muss noch nicht einmal Leistungssportler werden. Es soll vor allem Spaß beim Sport haben. Wenn es sich höhere Ziele setzt, dann ist das toll und dann solltest du es dabei unterstützen. Mach dann aber auch klar, was das bedeuten würde mit allen Konsequenzen und dem Aufwand, der dahinterstehen würde. Wer Profi werden möchte, muss mehr Zeit investieren als jemand, dem ein niedrigeres Niveau ausreicht. Aber du solltest diese Ziele deinem Kind nicht von außen vorgeben. Versuche nicht, deine Ansprüche an dich selbst oder deine verpassten Chancen auf dein Kind zu projizieren. Und wenn dein Kind merkt, dass es doch mit weniger zufrieden ist, dann ist das vollkommen okay und du solltest keinen künstlichen Leistungsdruck erzeugen.

3.: Keine faulen Ausreden

„Heute sind wir aber auch total verpfiffen worden, sonst hätten wir gewonnen!“ Wer hat das nicht schon einmal gehört, gedacht oder gesagt? Egal, ob beim eigenen Sport oder beim Spiel der Lieblingsmannschaft. Natürlich ist es ärgerlich, wenn der Schiedsrichter keine optimale Leistung gebracht hat. Aber hilft das für die Zukunft weiter? Natürlich nicht, denn die Leistung des Schiedsrichters werde ich auch im nächsten Wettkampf nicht beeinflussen können. Was ich dagegen beeinflussen kann, ist die eigene Leistung. In 99% der verlorenen Spiele war nicht der Schiedsrichter verantwortlich. So lange man selbst im Wettkampf nicht seine beste Leistung abruft und keinen einzigen Fehler macht, so lange darf man auch nicht die Leistung der anderen kritisieren. Jeder versucht sein Bestes zu geben. Auch der Schiedsrichter. Eine Niederlage in den Fehlern der anderen zu suchen ist nie der richtige, aber immer der einfachste Weg.

4.: Vertraue dem Trainer

Der Trainer kennt seine Schützlinge. Er weiß, welche Stärken und Schwächen wer hat und er weiß, worum es im Training und im Wettkampf geht. In der Regel hat er in diesen Bereichen durchaus mehr Erfahrung, als die Eltern. Ihr Kind bekommt weniger Spielanteile im Team? Ihr Kind soll schwerere oder leichtere Elemente im Gerätturnen zeigen, als andere? Ihr Kind spielt plötzlich in der Verteidigung und nicht im Sturm? Das wird in der Regel einen Sinn haben. Vielleicht einen Sinn, den man als Außenstehender nicht sofort erkennt. Aber vertraue erst einmal dem Trainer, denn meistens weiß er, was er tut. Und wenn dir Dinge nicht ganz klar sind, dann spreche offen mit dem Trainer darüber. Aber bitte zunächst unter vier Augen und nicht mit deinem Kind zusammen. Stelle den Trainer nicht vor deinem Kind in Frage, denn das ist kontraproduktiv, auch für dein Kind.

5.: Sei nicht der Trainer

Ergänzend zu diesem Punkt kommt noch, dass du auch selbst (normalerweise) nicht der Trainer bist. Gib also bitte während des Trainings oder während des Wettkampfs keine Ratschläge und Anweisungen von außen. Meistens ist auch dies nur gut gemeint, aber es verunsichert dein Kind. Auf wen soll es denn nun hören? Auf seine Eltern oder auf den Trainer? Was passiert, wenn es auf den Trainer hört, aber nicht auf dich? Was passiert, wenn es auf dich hört, aber nicht auf den Trainer? In jedem Fall wird dein Kind dadurch nicht besser. Im Gegenteil.

6.: Hilf bei Sieg und Niederlage

Gewinnen ist nicht alles. Der Spaß ist erst einmal wichtiger als der Erfolg. Natürlich macht Gewinnen mehr Spaß als Verlieren, aber Niederlagen gehören dazu. Nicht nur zum Sport, sondern zum Leben. Im Sport kann dein Kind lernen, mit Niederlagen umzugehen. Auch in der Niederlage Größe zu zeigen und daran zu wachsen. Ebenso wichtig ist es aber auch zu lernen, mit Erfolgen umzugehen. Schlechte Gewinner sind fast noch unsympathischer als schlechte Verlierer. Hilf deinem Kind dabei, mit beiden Ergebnissen umzugehen. Tröste bei Niederlagen (ohne eine faule Ausrede) und suche mit deinem Kind gemeinsam nach Dingen, die trotzdem gut waren. Mach ihm klar, dass Niederlagen dazu gehören. Wenn dein Kind gewinnt, verliert jemand anderes und umgekehrt. Das Eine gibt es nicht ohne das Andere. Aus dem Gefühl einer Niederlage kann ich auch ein besserer Gewinner werden, weil ich Empathie für den Verlierer habe.

7.: Dein Kind ist kein Profi

Belohne sportliche Erfolge nicht durch Geschenke oder Prämien. Damit setzt du falsche Anreize und Ziele. Ziel ist es, sein Bestes zu geben und dadurch im Idealfall auch zu gewinnen. Ziel ist nicht, sein Taschengeld aufzubessern. Nichts spricht dagegen, Erfolge auch zu feiern und zu genießen. Zur Feier des Tages mal schick Essen zu gehen und wenn es nur zum nächsten Burgerladen ist. Aber Torprämien oder Siegprämien haben gerade im Kindersport nichts verloren.

8.: Sei bei Wettkämpfen dabei

Nimm dir auch Zeit für die Wettkämpfe deiner Kinder. Sieh es nicht als Freizeit für dich an, dass du einen halben Samstag mal „kinderfrei“ hast. Jedes Kind möchte, dass seine Eltern stolz auf es sind. Das ist ein ganz natürlicher menschlicher Wesenszug. Die Eltern auf der Tribüne sind eine Extramotivation für die Kinder. Halte dich dabei aber natürlich zurück, sei kein Trainer, aber sei dabei und sei für dein Kind da. Es muss nicht immer jeder Wettkampf sein, aber zeige deinem Kind, dass es dir wichtig ist und auch sein Sport dir wichtig ist. Setze deinen Fokus dabei aber nicht nur auf die entscheidenden Wettkämpfe. Manchmal sind deinem Kind ganz andere Wettkämpfe wichtig. Dann nimm diese ernst und sei dabei. Dein Kind ist motivierter, bringt meistens eine bessere Leistung und weiß, du bist für es da. Bei Sieg und Niederlage.

9.: Sei Motivator

Dein Kind wird irgendwann einmal Phasen haben, in denen es nicht zum Sport möchte. Schon wieder Training und die Freunde gehen ins Kino. Außerdem regnet es gerade und überhaupt. Solche Phasen sind ganz normal. Sei darauf vorbereitet und sei für dein Kind da. Das bedeutet jedoch nicht, dass du in diesen Punkten deinem Kind sofort nachgeben solltest. Du solltest nun sehr genau auf dein Kind hören und zwischen den Zeilen lesen. Motiviere es erst einmal, dabei zu bleiben. Es ist auch eine gewisse Verpflichtung mit dem Sport eingegangen. Den Mannschaftskameraden und/oder dem Trainer gegenüber. Andere verlassen sich darauf, dass dein Kind kommt und sie nicht hängen lässt. Natürlich solltest du ein Auge darauf haben, ob sich diese Phase vertieft und dein Kind wirklich die Lust an diesem Sport verliert. Dann versuche zu ergründen, was die eigentlichen Ursachen sind. Vielleicht muss man auch einmal über einen Vereins- oder Sportwechsel nachdenken. Aber im ersten Schritt reicht normalerweise erst einmal, sein Kind zu motivieren und auch mit etwas Druck bei der Stange zu halten. Alle Sportler, auch die, die wir bei den olympischen Spielen sehen, hatten diese Phasen irgendwann. Was wäre wohl aus ihnen geworden, hätten sie sich nicht durchgebissen?

10.: Respektiere alle anderen

Fairplay und Respekt sind eigentlich zwei Schlagworte, die jeder vom Sport erwartet. Keiner mag schlechte Verlierer. Und keiner mag schlechte Gewinner. Genau das solltest du also auch deinem Kind vorleben und von ihm erwarten. Ein gutes Beispiel für Respekt war das Halbfinale der Fußball-WM 2014. Brasilien (zu Hause) gegen Deutschland. 7:1 gewann das deutsche Team und hat sich in Brasilien dabei einen unglaublichen Respekt verdient. Nicht etwa wegen des hohen Sieges, sondern wegen der Art und Weise, wie sie damit umgegangen sind. Sie waren extrem gute Gewinner und haben sich in ihre Gegenspieler hineinversetzen können. Genau das hat ihnen den Respekt eingebracht. Respekt, den sie zuvor dem brasilianischen Team entgegengebracht haben.

Leider ist das in unseren Sportanlagen nicht immer an der Tagesordnung. So war im Spiegel zum Beispiel zu lesen, dass sich bei einem Ringkampfturnier von Grundschülern plötzlich 20 Erwachsene prügeln, weil sie sich nicht einigen konnten, wer gewonnen hat. Bei einem Kinderfußballturnier in Aachen musste gar die Polizei anrücken, weil sich dutzende Erwachsene prügelten und dabei sogar gegenüber den 8- bis 10-jährigen Kindern handgreiflich wurden. Nur, weil sie mit einer Schiedsrichterentscheidung unzufrieden waren. Klar, das sind extreme Beispiele, aber sie zeigen, wohin es mittlerweile leider manchmal führt. Respekt zeigt sich schon viel früher in kleinen Gesten. Es zeigt sich darin, dass sich der Torwart nicht in seinem Tor hinsetzt, nur weil ihm langweilig ist und der Gegner nicht bis zu ihm vordringt. Es zeigt sich darin, dass man die Leistung des Gegners anerkennt. Es zeigt sich darin, dass man sich nach dem Spiel beim Schiedsrichter bedankt, auch wenn man vielleicht nicht zufrieden war. Auch er hat seine freie Zeit dafür geopfert. Es zeigt sich darin, dass man sich auch beim Trainer als Eltern mal bedankt für sein Engagement. Es zeigt sich auch darin, dass man auch bei den Wettkämpfen von Vereinskameraden zusieht, obwohl man selbst gerade keinen Wettkampf hat.

Und denke immer daran, auch die anderen sind nur Menschen. Eltern, Schiedsrichter, Trainer, Mitspieler. Und Menschen machen Fehler. Wenn sich also andere nicht so verhalten, wie du es gerne hättest, dann ist das kein Grund, es ihnen gleich zu tun.

platzregeln

Nils Kowalczek (Tinongo)

Headergrafik: Photo by Nicu Buculei under License CC BY-SA 2.0

Foto Aufsteller: Photo by Nils Iver Bergmann